Beste Tennisspieler aller Zeiten: Graf, Connors oder Federer?

Unglaubliche 23 Grand-Slam-Titel gewann Serena Williams bislang in ihrer Karriere. Roger Federer und Rafael Nadal kommen auf jeweils 20. Doch sind die erfolgreichsten auch die besten Tennisspieler aller Zeiten? Studien zeigen verblüffende Ergebnisse.

  1. Tennisspieler
Beste Tennisspieler und beste Tennisspielerinnen aller Zeiten: Federer vor Connors, Graf vor Williams

Von Tillmann Becker-Wahl, Illustration: Oona

Wer ist denn nun der beste Tennisspieler aller Zeiten? Tennisfans aus der ganzen Welt streiten sich, wenn es darum geht, diese Frage zu beantworten. Die häufigste Argumentationsgrundlage: gewonnene Grand Slams. Mit 23 Grand-Slam-Titeln ist Serena Williams die erfolgreichste Tennisspielerin der Geschichte. Bei den Herren teilen sich mit jeweils 20 Titeln zurzeit Roger Federer und Rafael Nadal die Spitzenposition. Doch sind die erfolgreichsten gleichzeitig auch die besten Tennisspieler? Studien haben genau das untersucht – und kommen zu interessanten Ergebnissen.



Im Juli 2020 fragte der britische Guardian seine Leser, wer der größte Tennisspieler der vergangenen 50 Jahre war. Selbstverständlich nannten die Leser Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic. Überraschend ist das nicht. Schließlich dominieren die drei seit mehr als einem Jahrzent das Männertennis. Die Gründe der über 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer: 20 (Federer und Nadal) beziehungsweise 18 Grand-Slam-Titel (Djokovic) in einer Ära – das sei einmalig. Hinzu kommen dutzende Master-Erfolge. Federer, so heißt es, zeige zudem "eine Eleganz auf dem Platz", die es auf diese Art und Weise noch nicht gegeben habe.

Bester Tennisspieler? Es kommt nicht nur auf die Anzahl der Titel an

Doch nur diese Rekorde seien nicht alles, merkten einige Leserinnen und Leser an. John McEnroe beispielsweise habe zwar verlgeichsweise nur sieben Grand-Slam-Titel gewinnen können. Damals jedoch waren die Major-Turniere im Tennis noch nicht so wichtig wie sie heute sind. "McEnroe beispielsweise", merkte ein Leser an, "schlug nur selten bei den Australian Open auf." Zudem gewann der US-Amerikaner neben seinen Einzel- auch mehrere Doppel-Titel, ergänzte er.

Andere Guardian-Leser nannten neben McEnroe noch den Australier Rod Laver, den Schweden Björn Borg, Boris Becker sowie die US-Amerikaner Andre Agassi, Arthur Ashe und Jimmy Connors. Bemerkenswert: Für viele Leserinnen und Leser sind eben nicht nur die Anzahl der Titel entscheidend, um den besten Tennisspieler aller Zeiten zu küren. Zwar habe auch Pete Sampras wahnsinnige 14 Grand-Slam-Titel gewinnen können. "Doch musste er sich damals gegen eine hochkarätigere Konkurrenz durchsetzen", glaubt ein weiterer Leser.

Federer hingegen, so ist die Meinung desselben Guardian-Abonennten, sei "ein großartiger Spieler – aber er hat viele seiner Titel gewonnen als es weniger hochklassige Spieler zu schlagen gab." Was er wohl meint: Gerade zu Beginn der ersten erfolgreichen Federer-Jahre traf der Schweizer auf Final-Gegner, die nicht als Legenden des Tennis gelten würden. So gewann Federer unter anderem das Wimbledon-Finale im Jahr 2003 gegen Mark Philippoussis sowie die Australian Open 2004 gegen Marat Safin, 2006 gegen Marcos Baghdatis und 2007 gegen Fernando González.

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Der Versuch, den besten Spieler wissenschaftlich zu ermitteln

Dieses Leser-Beispiel macht deutlich: Den erfolgreichsten Spieler nur auf Basis der gewonnenen Grand-Slam-Titel zu küren, scheint problematisch. Das haben sich auch Rose Baker und Ian McHale gedacht. In ihrer im Jahr 2014 veröffentlichten Studie "A dynamic paired comparison model: Who is the greatest tennis player?" verglichen sie die Stärke der Tennisspieler seit Beginn der Open Era 1968.

"Spieler über verschiedene Zeiträume zu vergleichen ist schwierig, weil die Topspieler in diesen unterschiedlich oft an Grand Slams teilgenommen haben", schreiben die Autoren der Studie. Eine einfache Metrik, um die Erfolge besser zu vergleichen, wäre daher das Verhältnis von Grand-Slam-Siegen zu Grand-Slam-Teilnahmen. In 41 Prozent seiner Grand-Slam-Teilnahmen konnte Björn Borg auch den Titel gewinnen – im Jahr 2012 der Topwert seit Beginn der Open Era. Allerdings: "Manche Spieler haben in einer Zeit gespielt, in der der Wettbewerb extrem hoch war", erklären Baker und McHale.

Grafik: Die erfolgreichsten Tennisspieler

Die erfolgreichsten Tennisspieler: Federer und Nadal vor Djokovic

Deswegen haben die Wissenschaftler in ihrer Studie ein Modell entwickelt, dass mit Hilfe eines zeitlich variierenden Paarvergleichs eine bessere Vergleichbarkeit der Grand-Slam-Erfolge liefern soll. Die Folge: Baker und McHale konnten berücksichtigen, dass Spieler aus unterschiedlichen Generationen auf unterschiedlich starke Gegner getroffen sind. Damit konnten die Wissenschaftler auch das Argument des Guardian-Lesers berücksichtigen: Ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen – das sei in bestimmten Jahren einfacher gewesen.

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Ergebnis der Studie: Federer der beste Spieler aller Zeiten, Björn Borg und Jimmy Connors knapp dahinter

Als Baker und McHale für ihre Studie die Daten bis ins Jahr 2012 untersuchten, hatte ein gewisser Novak Djokovic erst fünf Grand-Slam-Titel gesammelt: dreimal den Titel bei den Australian Open sowie jeweils einmal jenen von Wimbledon und den der US Open. Roger Federer hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 17 seiner heutigen 20 Grand-Slam-Erfolge gefeiert, Rafael Nadal elf. Auch deswegen ist das Ergebnis der Studie vermutlich nicht mehr ganz aktuell. Dennoch zeigt sie interessante Resultate: Pete Sampras, immerhin vierterfolgreichster Spieler der Grand-Slam-Geschichte, suchen Fans auf den ersten zehn Plätzen der Baker-McHale-Liste vergebens. Denn für die Platzierung ist am Ende die sogenannte maximale Stärke, die ein Spieler in seiner Karriere erreicht hat, entscheidend:

1. Roger Feder

Bereits 2012 führte Roger Federer die Liste des erfolgreichsten Tennisspielers aller Zeiten an. Bis heute konnte der Schweizer in seiner Karriere 20 Grand-Slam-Turniere gewinnen: achtmal Wimbledon, sechsmal die Australian Open, fünfmal die US Open und einmal die French Open. Zudem gewann Federer sechsmal die ATP Finals und unzählige Masterturniere. 310 Wochen stand der Schweizer an Nummer eins der Tenniswelt. Maximale Stärke nach Baker und McHale: 1,43.

2. Björn Borg

Auf Federer folgt – nicht Pete Sampras. Nur knapp hinter dem Schweizer Tennisstar hat das Modell Björn Borg als zweitbesten Tennisspieler der Geschichte ermittelt. 66 Einzeltitel gewann der Schwede, darunter elf Grand-Slam-Turniere. Während er die French Open sechsmal und Wimbledon fünfmal gewann, konnte er keinen Erfolg bei einem der beiden Hartplatz-Grand-Slams feiern. Maximale Stärke nach Baker und McHale: 1,35.

3. Jimmy Connors

Erst mit 43 Jahren beendete Jimmy Connors seine Profilaufbahn. Bis dahin gewann er acht Grand-Slam-Turniere (fünfmal US Open, zweimal Wimbledon und einmal Australian Open). Insgesamt gewann er unglaubliche 109 ATP-Turniere. Das Ergebnis: 268 Wochen die Nummer eins des Herrentennis. Maximale Stärke nach Baker und McHale: 1,31.

4. Rafael Nadal

Mittlerweile ist Rafael Nadal gemeinsam mit Roger Federer der erfolgreichste Tennisspieler der Geschichte. 86 Einzeltitel gewann der Spanier, darunter 20 Grand-Slam-Turniere. Vor allem auf französischem Sand ist Nadal bis heute so gut wie unschlagbar: 13-mal gewann er die French Open, zudem viermal die US Open, zweimal Wimbledon und einmal die US Open. Zudem feierte er mit Spanien fünfmal den Davis-Cup-Sieg. Zwischen April 2005 und Mai 2007 gewann Nadal 81 Spiele auf Sand hintereinander. Rekord. Maximale Stärke nach Baker und McHale: 1,15.

5. Rod Laver

Hätte sich Rod Laver 1963 nicht dazu entschieden, als Profi auf die Tennis-Tour zu gehen, hätte der Australier vermutlich mehr als elf Grand-Slam-Titel gewinnen können. Doch nachdem Laver im Jahr zuvor bei allen vier Major-Turniere siegen konnte, entschied sich der damalige Amateur, mit seinem Sport Geld zu verdienen. Bis zum Beginn der Open Era 1968 sperrte der Internationale Tennis-Verband (ITF) den Australier deswegen für Grand Slams. Am Ende gewann Laver Wimbldon viermal, die Australian Open dreimal sowie die French Open und die US Open jeweils zweimal. Maximale Stärke nach Baker und McHale: 1,12.

6. Ivan Lendl

Ganz klar: Acht Grand-Slam-Titel, den ersten im Jahr 1984, und 19 Grand-Slam-Finalteilnahmen machen Ivan Lendl zu einem der erfolgreichsten Spieler in der Geschichte des Tennis. Je dreimal gewann der in Tschechien geborene Lendl die French Open und die US Open. Zweimal hob er die Trophäe bei den Australian Open in die Höhe. In Wimledon blieb ihm dieser Erfolg verwährt: Zweimal verlor er das Finale von London. Bereits 1980 machte sich Lendl in seiner Heimat unsterblich: Mit der Mannschaft der Tschechoslowakei gewann er in diesem Jahr den Davis Cup. Maximale Stärke nach Baker und McHale: 1,10.

7. John McEnroe

Er war das Gesicht der ersten Hälfte der 1980er-Tennisjahre: John McEnroe. Sieben Grand-Slam-Titel gewann der US-Amerikaner im Einzel, hinzu kamen neun Major-Erfolge im Doppel. Im Einzel gewann McEnroe viermal die US Open, dreimal Wimbledon. Mit insgesamt 156 Einzel- und Doppeltiteln hält er den Rekord im Herrentennis. Für seinen ersten Rekord sorgte McEnroe indes 1977: Als Qualifikant spielte er sich in Wimbledon bis ins Halbfinale, unterlag dort jedoch Jimmy Connors. Dennoch ein einmaliger Qualifikantenerfolg, den bis heute keiner brechen konnte. Maximale Stärke nach Baker und McHale: 1,07.

8. Ken Rosewall

Aus einer traditionellen Tennisfamilie stammt der Australier Ken Rosewall. Mit seinem Erfolg bei den French Open 1968 war Rosewall der erste Sieger eines Grand Slams der Open Era. Insgesamt gewann der Australier acht Grand-Slam-Turniere (viermal Australian Open, zweimal French Open und zweimal US Open). Maximale Stärke nach Baker und McHale: 1,06.

9. Stefan Edberg

1984 startete die Profikarrie von Stefan Edberg. Und das mit großem Erfolg: Mit der schwedischen Mannschaft gewann er gleich den Davis Cup – und formte an der Seite von Anders Järryd eine Weltklasse-Doppel. Kein Wunder, dass Edberg kurze Zeit später im Jahr 1986 die ATP-Weltrangliste im Doppel anführte. Im Einzel gewann der Schwede sechs Grand-Slam-Titel: Jeweils zwei bei den Australian Open, den French Open und Wimbledon. Maximale Stärke nach Baker und McHale: 1,03.

10. Boris Becker

Mit seinem Wimbledon-Erfolg 1985 schrieb Boris Becker Tennisgeschichte. Mit gerade einmal 17 Jahren gewann das deutsche Tennis-Wunderkind die prestigeträchtigen Wimbledon Championships. So jung wie er – das war noch kein Grand-Slam-Titelträger. Was folgte, war ein Ansturm auf die Tennisvereine Deutschlands. Becker gewann während seiner Karriere sechs Grand-Slam-Titel: dreimal in Wimbledon, zweimal die Australian Open und einmal die US Open. Maximale Stärke nach Baker und McHale: 1,00.

Pete Sampras erreicht nach dem Modell der Autoren übrigens eine maximale Stärke von 0,92. Damit liegt er im Jahr 2012 auf Platz 15 der besten Tennisspieler aller Zeiten.

Serena Williams unerreicht: Doch wer ist die beste Tennisspielerin der Geschichte?

Viele Jahre lang hat Serena Williams die Welt des Damentennis regiert. In den 15 Jahren zwischen 2002 und 2017 dominierte die US-Amerikanerin ihren Sport, gewann 23 Grand-Slam-Titel im Einzel sowie 14 weitere im Doppel. Auch 2021, 26 Jahre nach ihrer ersten Profisaison, zählt Williams noch zur Weltspitze.

Die erfolgreichsten Tennisspielerinnen der Geschichte: Serena Williams vor Steffi Graf, Monica Seles auf Platz 6

Auf der Suche nach der größten Tennisspielerin aller Zeiten, streiten sich die Tennisfans erneut. Einige von ihnen argumentieren – ähnlich wie beim Herrentennis –, dass die Anzahl der Erfolge nicht automatisch auch die großartigste Spielerin kennzeichnen würden. So habe beispielsweise Monica Seles mit neun Grand-Slam-Titeln vergleichsweise wenige Major-Turniere gewonnen. Doch zwang sie ein Attentat eines psychisch kranken Tennisfans zu einer mehrjährigen Karrierepause. Ist die erfolgreichste Tennisspielerin aller Zeiten damit also nicht gleichzeitig die beste der Geschichte?

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Autoren wiederholen ihre Studie: Graf, Navratilova, Seles und Evert kämpfen um den Titel

Um diese Frage zu beantworten, wiederholten Baker und McHale im Jahr 2017 ihre Studie – und passten ihr Modell auf die Charakteristiken des Damentennis an. Sie untersuchten die Grand-Slam-Turniere von Beginn der Open Era 1968 bis zu den Australian Open 2016. Zu dieser Zeit war Steffi Graf noch die erfolgreichste Spielerin der Geschichte des Tennis. Serena Williams hatte damals 21 Grand-Slam-Titel gesammelt, zwei sollten später noch hinzukommen.

Nichtsdestotrotz: Auch im Frühjahr 2016 sagten einige Fans, dass Serena Williams die größte Tennisspielerin sei, die dieser Sport je gesehen hatte. Das Modell von Baker und McHale jedoch zeigt anderes. Die US-Amerikanerin liegt nach der Auswertung der Ergebnisse auf Platz fünf. Die Autoren vermuten: Serena Williams habe im Vergleich zu Steffi Graf erstens "eine größere Schwankung in ihren Ergebnissen – und zweitens vermutlich gegen schwächere Gegnerinnen gespielt".

Um die Stärke der Spielerinnen zu messen, berechnet das Modell von Baker und McHale erneut eine sogenannte maximale Stärke, die eine Spielerin im Laufe ihrer Karriere erreichen konnte – mit folgendem Ergebnis:

1. Steffi Graf

Ganze 377 Wochen war Steffi Graf die Nummer eins der Tennis-Welt. Damit ist sie bis heute jene Spielerin, die am längsten die Weltrangliste anführte. Die Deutsche sammelte 22 Grand-Slam-Titel (siebenmal Wimbledon, sechsmal French Open, fünfmal US Open und viermal Australian Open). Im Jahr 1988 folgte dann ihr Karriere-Höhepunkt: Als bislang erste und einzige Person ihres Sports gewann sie den Golden Slam – alle vier Grand-Slam-Turniere und das Olympische Gold in einem Jahr. Stärke nach Baker und McHale: 7,39.

2. Martina Navratilova

Die Liste der Erfolge von Martina Navratilova ist lang: 18 Grand-Slam-Turniere konnte sie gewinnen, insgesamt siegte sie bei 167 WTA-Turnieren im Einzel und 177 im Doppel. Mit neun Wimbledon-Siegen ist sie Rekordhalterin des traditionellsten Tennis-Rasenturniers der Welt. 332 Wochen war sie zudem die Nummer eins des Damentennis. Stärke nach Baker und McHale: 7,02.

3. Monica Seles

Das Attentat eines psychisch kranken Tennisfans auf Monica Seles überschattete die Karriere der US-Amerikanerin. Zuvor sorgte sie bereits als 16-Jährige für eine erste Überraschung, als sie Steffi Graf 1990 bei ihrem Heimturnier in Berlin im Finale besiegte. Seles gewann viermal die Australian Open, dreimal die French Open und zweimal die US Open. Vermutlich wären weitere Titel hinzugekommen, hätte sie ihre Karriere aufgrund des Angriffs nicht für mehr als zwei Jahre pausieren müssen. Stärke nach Baker und McHale: 6,71.

4. Chris Evert

Mit 18 Grand-Slam-Titeln ist Chris Evert gemeinsam mit Martina Navratilova die dritterfolgreichste Tennisspielerin der Geschichte. Mit sieben Siegen bei den French Open zählte Evert als eine echte Sandplatzspezialistin – die zugleich das Tennis modernisierte. Schließlich war sie eine der ersten Spielerinnen, die eine beidhändige Rückhand spielte. Stärke nach Baker und McHale: 6,14.

5. Serena Williams

319 Wochen die Nummer eins der Welt: Serena Williams ist zweifelsfrei eine der erfolgreichsten Tennisspielerinnen aller Zeiten – und prägte mit ihren Erfolgen die 2000er- und 2010er-Jahre. Zweimal gelang der US-Amerikanerin der Kalender-Slam. Jeweils siebenmal gewann sie Wimbledon und die Australian Open. Hinzu kommen sechs Erfolge bei den US Open und drei Siege bei den French Open. Stärke nach Baker und McHale: 5,78.

6. Justine Henin

2008 verkündete Justine Henin ihren Rücktritt vom Profitennis. Das Besondere: Sie ist damit die bislang einzige Spielerin, die ihre Karriere als aktuelle Nummer eins der Weltrangliste beendet hat. Zuvor gelangen der erfolgreichsten belgischen Tennisspielerin sieben Siege bei Grand-Slam-Turnieren. Am erfolgreichsten spielte sie in Paris: Viermal gewann Henin die French Open in ihrer Karriere. Stärke nach Baker und McHale: 5,53.

7. Billie Jean King

Billie Jean King war es, die ihren Sport veränderte: Sie initiierte die Gründung der Spielerinnenvereinigung WTA in den frühen 1970er-Jahren – mit dem Ziel, Gleichberechtigung zwischen Männer- und Frauentennis zu schaffen. Mit dem Battle of the Sexes, einem Schaukampf zwischen ihr und Bobby Riggs, erreichte sie die gewünschte Aufmerksamkeit. Mehr als 30.000 Zuschauer sahen das Match live im Stadion – die zweitgrößte Kulisse eines Tennisspiels. King selbst gewann in ihrer Karriere zwölf Grand-Slam-Titel. Stärke nach Baker und McHale: 5,05.

8. Gabriela Sabatini

Trotz ihrer 27 Karriere-Titel im Einzel reichte es für Gabriela Sabatini nie für Platz eins der Tennis-Weltrangliste. Doch auch dank ihres US Open-Sieges 1990 gelang es ihr, zehn Jahre lang in den Top-Ten zu stehen. Zudem gewann die Argentinierin zweimal die WTA Tour Championships, das Finale der Damentour. Stärke nach Baker und McHale: 4,10.

9. Arantxa Sánchez Vicario

Insgesamt zwölf Wochen führte Arantxa Sánchez Vicario die Tennis-Weltrangliste an – als erste spanische Spielerin überhaupt. Bereits zuvor überraschte die Spanierin erstmals die Tenniswelt: 1989 gewann sie ihren ersten von vier Grand-Slam-Titeln – mit ihrem unerwarteten Sieg gegen Steffi Graf. Zu diesem Zeitpunkt war die 18-Jährige die jüngste Roland-Garros-Siegerin der Geschichte. Stärke nach Baker und McHale: 4,08.

10. Margaret Court

Vielleicht unerwartet weit hinten hat das Modell von Baker und McHale die Australierin Margaret Court platziert. In ihrer Karriere sammelte sie im Einzel, Doppel und Mixed insgesamt 64-Grand-Slam-Titel. Einmalig. Elf Einzeltitel gewann sie dabei nach Beginn der Open Era. Auch das ist eine Erklärung, warum es Court im Baker-McHale-Ranking nur so gerade in die Top-Ten geschafft hat: Die Autoren haben schließlich nur Daten seit 1968 in ihr Modell einfließen lassen. Stärke nach Baker und McHale: 3,95.

Ermitteln Studien am Ende tatsächlich die besten Tennisspieler?

In ihrem Artikel betonen Baker und McHale, dass ihre Ergebnisse zwar darauf hindeuten würden, dass Steffi Graf zum Zeitpunkt der Veröffentlichung tatsächlich die beste Tennisspielerin aller Zeiten ist. Jedoch seien die Resultate bei Weitem nicht so eindeutig wie in der Welt des Männertennis. Die statistischen Kennzahlen, die sogenannten Konfidenzintervalle, zeigen, dass auch die drei Spielerinnen hinter Steffi Graf als die besten Tennisspielerinnen der Geschichte zählen könnten.

Zudem sähen die Ergebnisse im Jahr 2021 etwas anders aus: Sollten Baker und McHale ihre Studie noch einmal aktualisieren, gäbe es noch einmal Bewegung in der Rangliste: mit Novak Djokovic auf einem der ersten zehn Plätze beispielsweise. Doch wie auch immer das Ranking am Ende wäre: Unbestritten ist, dass Tennisbegeisterte mit Serena Wiliams, Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic auch 2021 noch immer jenen Spielern zuschauen können, die zumindest Teil der besten Tennisspielerinnen und -spielern der Geschichte sind.