Steffi Graf und Boris Becker: Als selbsternannte Außenseiter den Tennisboom in Deutschland auslösten

1994 erreichte der Tennisboom in Deutschland seinen absoluten Höhepunkt: Nach den Erfolgen von Steffi Graf und Boris Becker meldete der DTB 2,3 Millionen Mitglieder. Doch dann folgte – Ernüchterung. Fehlen nationale Helden oder die mediale Aufmerksamkeit?

  1. Tennis im TV
Steffi Graf und Boris Becker lösten in den 1980er-Jahren einen Tennisboom in Deutschland aus

Von Tillmann Becker-Wahl und Roshan Thome, Illustration: Oona

In den 1980er-Jahren erlebte Deutschland den größten Tennisboom seiner Geschichte. Die Gesichter dieses Erfolges: Steffi Graf und Boris Becker. Sie selbst nannten sich zu Beginn ihrer einzigartigen Karriere "Außenseiter". Doch ihre Talente waren einmalig – und ließen die Kinder und Jugendlichen hierzulande davon träumen, selbst Tennisprofis zu werden. Mitte der 1990er-Jahre zählte der Deutsche Tennis-Bund (DTB) erstmals mehr als zwei Millionen Mitglieder in heimischen Tennisvereinen, während sich die TV-Sender um die Übertragung des wichtigsten Tennisturniers der Welt stritten. Dann folgte jedoch – Leere. Trotz Top-Ten-Platzierungen von Tommy Haas, Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler verstummte das Interesse am Tennissport zusehends. Fehlen also die nationalen Helden, widmen die Medien und Turnierorganisatoren dem deutschen Tennis einfach schlicht zu wenig Aufmerksamkeit – oder war es vielmehr ein Graf-Becker- als ein Tennishype?

Vielleicht waren es nicht Steffi Graf und Boris Becker – sondern eine gewisse Sylvia Hanika, die den hiesigen Tennishype der 80er und 90er auslöste. Erstmals seit den Erfolgen von Gottfried von Cramm und Henner Henkel in den 1930er-Jahren machte Deutschland als Tennisnation wieder auf sich aufmerksam. 1982 war es nämlich jene Hanika, die als erste deutsche Spielerin die Masters gewann, die sogenannten WTA-Championships. Eine Sensation.



An diesem Tag stand Sylvia Hanika niemand geringerem als der damaligen Spitzenspielerin Martina Navratilova gegenüber. Den Experten war sofort klar: Gegen die US-Amerikanerin werde Hanika keine Chance haben. Und sie schienen Recht zu behalten. Mit 1:6 verlor Hanika den ersten Satz deutlich. Dann aber spielte sie vermutlich so stark wie nie zuvor. Mit 6:3 und 6:4 entschied Slyvia Hanika die Partie am Ende für sich. Später schrieben Medien von einem der "spannendsten Matches des Damentennis'". Doch richtig Feuer bekam der Tennisboom hierzulande erst ein paar Jahre später.

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Boris Becker lässt das Tennis in Deutschland boomen

Als Hanika Tennisgeschichte schrieb, war Boris Becker noch ein Kind, 14 Jahre gerade alt. Und dennoch ist es jener Rotschopf gewesen, der kurz darauf das Gesicht des Tennisaufschwungs in Deutschland werden sollte. Mit seinem Überraschungssieg in Wimbledon explodierte die Zahl der Tennisspielerinnen und -spieler rasant. Deshalb beginnt unsere Reise durch die Boom-Jahre 1985.

Als ungesetzter Spieler mischte Bobbele im Frühsommer dieses Jahres 1985 die Wimbledon Championships auf. Als 17-jähriger Jungspund betrat er den heiligen Rasen Londons – den Centre Court, den er wenig später zu seinem Wohnzimmer machte. Spiel, Satz und Sieg – der 7. Juli 1985, ein Sonntag, war Boris-Becker-Tag. Und damit ein Tag für Deutschland. Die ganze Welt berichtete über den Sensationssieg des Wunderkindes aus Leimen. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene: Sie alle wollten plötzlich Tennisprofis werden. Ihre Eltern träumten davon, wie ihre Schützlinge in den Tennisolymp aufstiegen – während sie stolz an der Seite von Bundespräsident Richard von Weizsäcker Erdbeeren mit Sahne essen würden.

Wer war eigentlich dieser Boris Becker?

Schnell stellte sich heraus: Was Boris Becker 1985 leistete, war einmalig. Becker, der Sohn eines Architekten und leidenschaftlichen Tennisspielers, war vom Talent gesegnet. Sein erster Förder: der Vater. Er war es, der Boris Becker schon früh auf den Tennisplatz mitnahm. 1974 trat er dann seinem ersten Verein, dem TC Blau-Weiß Leimen, bei. Es dauerte nur wenige Jahre – dann machte der junge Bobbele auch national auf sich aufmerksam: 1979 erreichte er beim Brühler Jüngsten Tennis Cup in der Altersklasse U12 den fünften Platz. Eine gewisse Steffi Graf wurde Dritte bei den Mädchen. Ein Jahr später folgte der doppelte Turniersieg in Brühl. Es war die Geburtsstunde eines Tennis-Wunderkindes – und die eines legendären Jugendturniers.

Der Erfolg in Brühl spornte Becker derweil weiter an. Vom Rhein-Erft-Kreis ging es für Bobbele hinaus in die weite Welt. In Miami kämpfte er 1983 um den Orange Bowl, die inoffizielle Weltmeisterschaft der Tennisjunioren. Sowohl im Einzel als auch im Doppel feierte er jeweils einen zweiten Platz.

Zwei Jahre später gelang Boris Becker dann der endgültige Durchbruch – und sorgte damit 1985 für den Start des deutschen Tennisbooms. Nach dem Sieg bei den Junioren-Weltmeisterschaften, folgte mit dem Titel beim ATP-Turnier im Queen's Club das erste Ausrufezeichen in London. Was danach passierte, ist Geschichte: Jüngster Grand-Slam-Titelträger, der erste, seit Beginn der Open Era, Becker-Hecht – der Londoner Rasen wird zum deutschen Siegerteppich.

Tennis wird nach Fußball zur beliebtesten Sportart in Deutschland

Nun beginnt auch der Deutsche Tennis-Bund (DTB) von den Erfolgen des Leimener Wunderkindes zu profitieren. Nachdem der DTB 1978 erstmals mehr als eine Millionen Mitglieder zählte, verzeichnete der DTB 1985 bereits rund 1,7 Millionen Mitglieder in seinen Tennisvereinen. Ein Anstieg von mehr als 60 Prozent. Und das in sieben Jahren. Tennis ist zu diesem Zeitpunkt die zweitbeliebteste Sportart in Deutschland.

Am Ende ist dieser Boom eng mit dem Namen Boris Becker verbunden. Gleich zweimal, 1986 (gegen Ivan Lendl) und 1989 (gegen Stefan Edberg), wiederholte Becker, in den Medien mittlerweile Bum-Bum-Boris genannt, seinen Wimbledon-Erfolg. Seinen größten Triumph feierte Becker schließlich 1991: Am 28. Januar führte er erstmals die Weltrangliste an. Im Juli folgte schließlich der nächste Finaleinzug auf Londoner Rasen. Allein ist Becker jedoch nicht verantwortlich für den größten Boom der deutschen Tennisgeschichte. Vor allem eine Dame entzückte die Fans: Steffi Graf.

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Fräulein Vorhand: Steffi Graf ist das neue deutsche Wunderkind

Wie Boris Becker machte auch Steffi Graf erstmals beim Brühler Jüngsten Tennis Cup auf sich aufmerksam. Als Elfjährige feierte sie dort, gleichzeitig mit dem Sieg Beckers, den Turniersieg. Dass Steffi Graf mit einem außergewöhnlichen Talent gesegnet war, war damals schon unbestritten.

Das erste Mal den Tennisschläger hielt sie mit drei in ihren Händen. Verantwortlich dafür war auch ihr Vater Peter Graf, ein ehemaliger Regionalliga-Tennisspieler mit einem Trainer-Diplom. Was später folgte, war die Geschichte eines zweiten deutschen Wunderkindes: Zwischen 1986 und 1999 gewann Steffi Graf 107 Einzeltitel. Graf stieg auf in den Tennisolymp.

In diesem blieb sie 377 Wochen die ununterbrochene Nummer eins des Damentennis', gewann 22 Grand-Slam-Titel – sieben davon in Wimbledon. Ihren vielleicht größten Erfolg feierte sie im Jahr 1988: Erstmals konnte der sogenannte Golden Slam, der Sieg aller vier Grand-Slam-Turniere und die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in einem Jahr, gewonnen werden.

Nicht verwunderlich also, dass Steffi Graf ein Teil der erfolgreichsten Ära des deutschen Damentennis' war. 1987 (gegen Titelverteidiger USA) und 1992 (gegen Spanien) gewann das DTB-Team den Fed-Cup. 1987 spielte Claudia Kohde-Kilsch an der Seite Grafs. 1992 stand sie gemeinsam mit Anke Huber, Sabine Hack und Barbara Rittner auf dem Platz.

Doppeltes Finale: Der Tennisboom in Deutschland erreicht 1989 seinen Höhepunkt

Der Höhepunkt des hiesigen Tenniszeitalters war zu diesem Zeitpunkt schon erreicht. Dass dieser Boom auf Deutschland nur so hereindonnerte, lag auch am Wettergott. Denn letztlich war er es, der am 9. Juli 1989 einmaliges ermöglichte: ein doppeltes deutsches Finale. Am Tag zuvor nämlich, einem typisch britischen Samstag, regnete es so stark, dass die Veranstalter des All England Lawn Tennis Clubs das Damenfinale absagen mussten. Sie verschoben es auf den darauffolgenden Tag.

Der kurzzeitige Frust der Fans über das ausgefallene Finale wich schnell der Spannung und Vorfreude. Sie wussten: An diesem 9. Juli könnte etwas Historisches passieren. Gleich zwei Deutsche kämpften um den vielleicht prestigeträchtigsten Tennistitel der Welt: die gerade einmal 20 Jahre alte Steffi Graf und der nur ein Jahr ältere Boris Becker. Am Ende dauerte dieser geschichtsträchtige Sonntag nur etwa vier Stunden – 2.400 Minuten voller Spannung. Mittags holte Steffi Graf den Titel, Boris Becker machte ihr es kurze Zeit später nach.

Nicht nur für die beiden Deutschen war die Saison 1989 ein riesiger Erfolg – auch der DTB feierte mit: Am Ende des Jahres zählte der DTB mehr als zwei Millonen Mitglieder und etwa 9.000 Tennisvereine – die meisten davon in Bayern. Der Tennishype in Deutschland erreichte damit langsam seinen absoluten Höhepunkt.

Der Tennisboom in Deutschland erreicht 1994 mit 2,3 Millionen Mitglieder seinen Höhepunkt

Die Schlacht der TV-Sender: Das Wettbieten um die deutschen Wunderkinder Graf und Becker

Obwohl der deutsche Tennissport boomte wie nie zu vor: Lediglich 50% der Haushalte Deutschlands hatten überhaupt die Chance, an diesem 9. Juli den Traum von Wimbledon mitzuerleben. Am Ende schauten ihn rund zehn Millionen Tennisfans. Doch was war passiert – und warum schien die andere Hälfte Deutschlands in Vergessenheit geraten zu sein?

Die Erklärung jedenfalls ist einfach. Und in Sport-Deutschland zur damaligen Zeit einmalig. Dank Steffi Graf und Boris Becker begannen die Deutschen, sich immer mehr für das zuvor als weißer Sport stereotypisierte Tennis zu interessieren. Das erkannten nicht nur die Fernsehsender – sondern auch jene, die eben diesen die Übertragsungsrechte verkauften. Die Folge: Eine regelrechte Schlacht zwischen den öffentlich-rechtlichen und privaten TV-Sendern Ende der 1980er-Jahre.

"Blackout", titelte der Spiegel daraufhin im Jahr 1989 – und zeichnete somit das perfekte Bild einer geteilten Nation. Wer über keinen Kabelanschluss verfügte, schaute in die Röhre – und sah dort vieles. Nur kein Tennis. Denn der Kölner Privatsender RTL plus hatte die Rechte für das gesamte Wimbledon-Turnier vom Medienunternehmen UFA gekauft.

Die UFA wiederrum war ein Teil des Bertelsmann-Konzerns. Zu diesem gehörte auch damals schon RTL plus. Die Folge war ein regelrechter Preiskampf. Nachdem sich im Winter 1988 die UFA für die nächsten fünf Jahre die europäischen Wimbeldon-Rechte für 60 Millionen Mark sicherte, verkaufte sie diese in Deutschland an ihr Schwesterunternehmen RTL plus für fünf Millionen Mark weiter. Die Europäische Rundfunk-Union war ausgestochen – und damit auch die ARD und das ZDF. Die Manager der öffentlich-rechtlichen Sender waren echaufiert.

Wer zeigt Steffi Graf und Boris Becker? TV-Schlacht um den Tennisboom
Quelle: Screenshot SPIEGEL-Archiv

Tennis war den Sendern plötzlich ein Vielfaches wert

Im Vorjahr nämlich bezahlten sie für die Wimbledon-Rechte in Deutschland lächerliche 150.000 Mark. Nun sollten sie an die UFA nur für Zusammenfassungen und Spielszenen ab 23 Uhr ein Vielfaches hinblättern. ARD und ZDF winkten dankend ab. Sie argumentierten, dass zu dieser Zeit die meisten ihrer Zuschauer doch sowieso schon schlafen würden. "Ein Teil der Zuschauer wird diese Entscheidung aber sicher nicht verstehen", waren sich die Senderchefs der Situation bewusst. Doch an ihrer Boykott-Haltung änderte das wenig.

Daraufhin schlug der deutsche Boulevard nur so um sich – und griff die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD und ZDF von allen Seiten an. Die Politik zog nach. Es war gar davon die Rede, die öffentlich-rechtlichen Sender abzuschaffen. Zumindest forderte dies unter anderem Staatssekretär Wolfgang von Geldern.

Farbenfroher kam das Bild aus Brühl. Der Brühler Jüngsten Tennis Cup wuchs über sich hinaus. 1989 zählte es zu einem der wichtigsten Nachwuchsturniere Europas. Damaliger Sieger: Tommy Haas. Während sich ARD, ZDF und RTL um Wimbledon stritten, konnte sich die Stadt Brühl vor Presseanfragen kaum retten. 1991 berichteten gleich sieben TV-Anstalten vom Turnier. Mehr als 8.000 Zuschauer reisten in die Stadt in der Nähe von Köln.

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Trotz TV-Schlacht: Immer mehr Deutsche spielen Tennis

Nach London schafften es indes nicht so viele hiesige Tennisfans. Die Leidtragenden der Wimbledon-TV-Schlammschlacht waren am Ende also eben jene. Schließlich war nur die Hälfte der Bevölkerung technisch überhaupt in der Lage, den historischen Graf-Becker-Boom live mitzuerleben. Doch einmal selbst den Tennisschläger in die Hand zu nehmen – davon konnte sie auch die TV-Schlacht nicht abhalten. Denn plötzlich, so schien es, wollte jedes kleine Mädchen wie Steffi Graf sein – und jeder kleine Junge der nächste Boris werden.

Kein Wunder. Schließlich katapultierten die beiden Ausnahmetalente das deutsche Tennis in neue Sphären – und legten den Grundstein für weitere Erfolge. Nach dem ersten deutschen Doppelschlag folgte 1991 der nächste: Zum dritten Mal gewann Steffi Graf die Wimbledon Championships. Einen Tag später kam es dann gar zum deutschen Final-Showdown: Boris Becker traf auf Michael Stich. Der norddeutsche Herausforderer besiegte – für die meisten Tennisfans überraschend – das Wunderkind Becker. Und das deutlich in drei Sätzen.

Mit einem Erfolg Stichs rechneten am Ende selbst die Wettexperten nicht. Bei 80:1 lag die Quote auf einen Sieg des Pinnebergers. Für Stich bedeutete der Sieg in Wimbledon der endgültige Durchbruch im Welttennis. Das nahmen auch die Fans zur Kenntnis.

Doch so viel Aufmerksamkeit wie der erste Doppelsieg 1989 erregte die Wiederholung 24 Monate später nicht. Es machte den Anschein, als hätten sich die Tennisfans an die deutschen Erfolge gewöhnt. Trotzdem: Der Sport war so beliebt wie nie zuvor – und erreichte den Olymp. 1994 verzeichnete der DTB 2,3 Millionen Mitglieder. Dann folgte – Ernüchterung. Auf Graf, Becker und Stich folgten unter anderem Tommy Haas, Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler. Trotz Top-Ten-Platzierungen konnten alle drei keinen der vier großen Titel gewinnen. Und dennoch: Es waren Haas und Kiefer, die im Juli 2004 erstmals seit 1994 wieder ein rein deutsches ATP-Finale bestritten.

Wo bleibt der zweite Tennisboom?

Dem deutschen Tennis gingen die Spielerinnen und Spieler trotzdem verloren. Seit 1994 gehen die Mitgliederzahlen des DTB zurück. Auch die Zahl der Tennisvereine schrumpft. Mitunter das ist ein Grund, warum Tennisfans, Medien und Verantwortliche in Deutschland schon länger fragen, ob und wann es zum zweiten Boom kommt. Denn trotz eben jener Erfolge von Tommy Haas, Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler in den frühen 2000er, den Grand-Slam-Siegen von Angelique Kerber, den Masters-Erfolgen von Alexander Zverev oder dem Bekanntheitsgrad von Sabine Lisicki – das Tennisecho summt eher leise statt laut zu schallen.

Die häufig hervorgekramte Argumentation, es fehle an nationalen Tennishelden, scheint demnach nicht erklären zu können, warum die Tenniszahlen sich weiterhin rückläufig entwickeln. Denn nach wie vor sieht selbst die ATP ein "riesiges Potenzial" im deutschen Tennismarkt. Das betont die männliche Spielervereinigung schließlich seit Jahren. Und sie hat Recht damit.

Mehr als 20 Millionen Deutsche interessieren sich für den Tennissport, mehr als sechs Millionen von ihnen spielen selbst aktiv, zeigt der im Jahr 2019 veröffentlichten ITF Global Tennis Report. In den 8852 deutschen Tennisvereinen (Stand: Dezember 2020) registriert der DTB rund 1,37 Millionen Mitglieder. Damit ist der DTB noch immer der viertgrößte deutsche Sportverband.

Die Schuldfrage

Die Vermarktungsmöglichkeiten in Deutschland scheinen gewaltig zu sein – auch dann, wenn Steffi Graf oder Boris Becker nicht selbst auf dem Tennisplatz stehen. Auch deswegen häuften sich in den vergangenen Jahren die Beschwerden, dass die deutschen Turniere an Attraktivität verlören: Master-Statuse würden aberkannt und parallel zu Turnieren in Deutschland gleichwertige in anderen Ländern ausgetragen. Obwohl heute so viel Tennis wie nie zuvor im Fernsehen läuft – die neuen Möglichkeiten erreichen die meisten deutschen Wohnzimmer nicht.

Diese Problematik haben die Verbände mittlerweile erkannt. Neue Turniere in Deutschland, wie dem WTA-250er-Turnier in Köln, könnten die Aufmerksamkeit wieder und weiter steigern. Auch die Erfolge im Einzel und Doppel helfen dabei. Ein nächster Boom könnte kommen. Und vielleicht sind es dann am Ende wieder zwei Außenseiter, die diesen mit auslösen.