Der Mythos Wimbledon: Erdbeeren mit Sahne und weiße Kleidung

In Wimbledon ist alles anders: Die Spieler tragen weiße Kleidung, die Fans essen Erdbeeren mit Sahne. Der Mythos des Rasentennis-Turniers in London ist einzigartig. Wir begeben uns auf eine Reise durch das prestigeträchtigste Grand Slam des Jahres.

Erdbeeren mit Sahne und weiße Kleidung bei Wimbledon

Von Tillmann Becker-Wahl und Roshan Thome, Illustration: Oona

Wimbledon gilt als das elitärste und traditionsreichste Tennisturnier der Welt. Dabei begann die Geschichte gänzlich einfach. Eine Zehn-Pfund-Rechnung für eine neue Rasenwalze zwang den All England Lawn Tennis and Croquet Club zu einer Idee, die der Ursprung der Wimbledon Championships werden sollte. Weißgekleidete Tennisprofis in extravaganten Outfits und Zuschauer, die fast 30 Tonnen Erdbeeren mit Sahne naschen: Zwei Wochen herrscht pure Nostalgie während des einzigen Rasentennis-Grand-Slams, das bereits so manche Tennislegende auf Court No. 2 zu Fall brachte. Doch was ist die Geschichte der gedrillten Balljungen und einer Ananas auf dem Wimbledon-Pokal? Eine Reise durch Londons Nobelviertel.

Als Spencer Gore 1877 auf der Anlage des All England Lawn Tennis and Croquet Club nach dem Finale zum ersten Mal den Pokal im Londoner Stadtteil Wimbledon in den Himmel streckte, schrieb er Tennis-Geschichte. Gore selbst hätte das niemals gedacht. Der Brite war eigentlich Cricket- und Rackets-Spieler – und dass sich Lawn-Tennis, also das Rasentennis, langfristig durchsetzen würde, das glaubte Gore nicht. Die Veranstalter des All England Clubs taten dies vermutlich noch viel weniger.

Als diese in der zweiten Hälfte der 1870er-Jahren die Idee entwickelten, ein Tennisturnier auszutragen, steckte das neue Lawn Tennis noch in den Kinderschuhen. Erst kurz zuvor, 1874, hatte Walter Clopton Wingflied, ein britischer Kriegsveteran, eine Anleitung fürs Rasentennis veröffentlicht. Die Briten spielten lieber Croquet und Cricket. Rasentennis – das spielten nur wenige reiche Engländer. Doch der All England Lawn Tennis and Croquet Club hatte ein Problem.

Für eine Rasenwalze brauchten sie zehn Pfund. Was heute nach wenig klingt, war damals extrem viel. So viel also, dass sich der All England Lawn Tennis and Croquet Club dazu entschied, auf seinen Croquet-Plätzen ein Rasentennis-Turnier auszutragen. 22 britische Gentlemen luden die Veranstalter ein – und rührten kräftig die Werbetrommel. Als Sieger gewann Spencer Gore 25 Britische Pfund, das zweieinhalbfache der Rasenwalzenrechnung.

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Traditonell eröffnet der Titelverteidiger die Wimbledon Championships

Mittlerweile ist das Preisgeld um ein Vielfaches gestiegen: Die Sieger des Damen- und Herreneinzel erhalten in Wimbledon jeweils mehr als 2,3 Millionen Britische Pfund. Dass heutzutage Damen bei den Chmapionships in London aufschlagen, ist selbstverständlich. Im späten 19. Jahrhundert sah das jedoch noch ganz anders aus. Erst sieben Jahre nach Gores Sieg öffneten die Veranstalter das Rasenturnier auch für Frauen. Am Ende setzte sich Maud Watson 1884 gegen zwölf Gegnerinnen durch – und gewann nach ihrem Sieg im Finale eine kleine Silbertrophäe und 20 Guineas, britische Goldmünzen.

Als 1937 die BBC das Wimbledon-Turnier erstmals im TV zeigte, sendete der Fernsehsender bereits aus der Church Road. Zuvor schlugen die Spielerinnen und Spieler noch in der Worple Road auf. Doch die ehemalige Anlage des All England Lawn Tennis and Croquet Club hielt dem Andrang nicht stand – und zwang so den Verein zum Umzug.

Jeweils 128 Spielerinnen und Spieler starten Ende Juni ins prestigeträchtigste Tennisturnier der Welt. Während wie bei den Australian Open, French Open und US Open bei den Damen die aktuelle Weltranglistenposition über die Startplätze in Wimbledon entscheidet, zählen bei den Herren auch die im vergangenen Jahr erspielten Punke auf Rasenturnieren dazu.

Das Wimbledon-Turnier eröffnet seit jeher der Titelverteidiger – montags auf dem Centre Court. Lange hatte auch Tradition, dass sich die Spielerinnen und Spieler vor jedem Spiel auf dem Hauptplatz vor der Royal Box verbeugen mussten. Seit 1922 gibt es diese königliche Loge, nachdem mit König George V. 1907 erstmals ein Royal das Wimbledon-Turnier besuchte. 2003 änderten die Veranstalter diese Etikette. Nun müssen sich die Spielerinnen und Spieler nur dann verbeugen, wenn die Queen auf ihrem Platz im Stadion thront.

Rasentennis: Was beim Tennis auf Rasen anders ist

Während zu Beginn der Tennis-Geschichte die Ober- und Mittelschlicht fast ausschließlich auf Rasen spielte, ist das heute eher selten der Fall. Bei den meisten Turnieren und Vereinen hat der pflegeintensive Belag ausgedient. Doch in Wimbledon ist das anders. Hier hat Rasentennis Tradition.

Ein auf exakt acht Millimeter getrimmtes, stark gewalztes Weidelgras sorgt in Wimbledon für die schnellsten Ballwechsel der Grand Slams. Anders als bei Hart- und vor allem Sandplätzen sind die Ballwechsel beim Rasentennis kürzer. Bis vor einigen Jahren dauerten sie in Wimledon im Schnitt nicht mehr als drei Sekunden. Dann beschlossen die Veranstalter, den Hochgeschwindigkeitsbelag zu entschärfen. Seit 2001 erlaubt der Belag so nun auch längere Ballwechsel. Doch noch immer seien ein guter Aufschlag und Volley in Wimbledon spielentscheidend, sagt Boris Becker. Kein Wunder, denn – so zeigt eine Statistik – führt ein gutes Serve-and-Volley-Spiel beim Rasentennis in 68 Prozent der Fälle zum Erfolg.

Das liegt vor allem daran, dass beim Rasentennis kaum Zeit bleibt, seine Schlagbewegung zu korrigieren. Dafür springen die Bälle zu flach ab – oder verspringen in minimalen Erdlöchern, die während einer Partie entstehen können.

Auffallend weiß: Warum die Spieler bei Wimbledon weiße Kleidung tragen

Als wäre der Untergrund nicht traditionell genug, setzen die Veranstalter zusätzlich auf eine altmodisch, vornehme Kleidungsetikette. Da Schweißflecken im späten 19. Jahrhundert ein Zeichen für körperliche Arbeit waren, wollte die Tennis spielende Ober- und Mittelschicht diese unangenehme Peinlichkeit umgehen. Die Folge: Sie kleideten sich beim Tennis komplett in weiß – auch damals bereits auffallend aufwendig. So trugen die Damen meist Kleider, die heute vielmehr an Ballkleider statt an Sportoutfits erinnern. Der weiße Sport entstand.

Noch immer hält diese Extravaganz Einzug in London. 90 Prozent der Kleidung muss in Wimbledon weiß sein. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal des traditionsreichsten Tennisturniers der Welt. 2013 musste Roger Federer seine Schuhe wechseln, weil die Sohle den Schiedsrichtern zu bunt war. Ein Jahr später verschärften die Veranstalter die weiße Kleidungsregeln noch einmal: So verlangen sie seit 2014, dass auch die Unterwäsche in Wimbledon weiß sein muss. Vor allem bei weiblichen Spielerinnen führt das zu unschönen Gefühlen: "Ich denke, es ist seltsam, dass unsere Unterwäsche gecheckt werden soll", sagte Barbora Strycova einst.

Bei Eugenie Bouchard schien die ausgeweitete weiße Kleidungsregel von Wimbledon 2015 jedenfalls – vielleicht auch aus Protest – noch nicht präsent gewesen zu sein: Der Schiedsrichter verwarnte sie, weil ihr schwarzer BH zu sehen war. Offiziell begründen die Veranstalter die Regelung der weißen Kleidung bei Wimbledon ganz traditionell: peinliche Schweißflecken sollen einfach nicht so sehr zum Vorschein kommen, heißt es.

75 weiße Polohemden

Doch weiß trugen die Spieler in Wimbledon nicht immer. Nach dem zweiten Weltkrieg beschwerte sich Fred Perry darüber, dass die Tennisspieler grüne Hemden der Armee trugen. Kurzerhand ließ er 75 weiße Polohemden anfertigen – um sie den Spielern zu schenken. Diese wiederum wollten sich bei Perry bedanken. Und da die Poloshirts kein Emblem hatten, entschieden sie sich, diese mit einem von Fred Perry ausgesuchten Logo zu besticken. Perry, der Wimbledon-Sieger von 1934, entschied sich für einen Lorbeerkranz

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Die erfolgreichsten Spieler von Wimbledon

In London ist Fred Perry heute eine Legende. Dreimal in Folge gewann er das Einzel der Wimbledon Championships. Zu den erfolgreichsten Spielern des Grand Slams zählt er damit jedoch nicht. Zwischen 1978 und 1990 feierte Martina Navrativola neun Einzelsiege in Wimbledon. Damit ist sie gar erfolgreicher als Roger Federer. Achtmal gewann der Schweizer zwischen 2003 und 2017 in London. 2021 hat er die Chance, den Rekord zu egalisieren.

Auf Navratilova folgen bei den Damen Steffi Graf und Serena Williams mit jeweils sieben Siegen. Einzig Helen Wills Moody war noch erfolgreicher als Graf und Williams. Vor Beginn der Open Era gewann sie die Championships bis 1938 achtmal. Bei den Herren folgt Pete Sampras auf Roger Federer. Sieben Mal gewann er das Grand-Slam-Turnier von London – genauso oft wie William Renshaw. Von 1881 und 1886 gewann der Amateur den Wimbledon-Pokal gar sechsmal in Folge. Novak Djokovic konnte Wimbledon fünfmal gewinnen.

Die erfolgreichsten deutschen Spieler von Wimbledon

Neben Steffi Graf machte Wimbledon auch Boris Becker zur Legende. Zu seiner Zeit zählt der heilige Rasen als Beckers Wohnzimmer, in dem er dreimal gewinnen konnte. Auch beim wohl aufregendsten Wimbledon-Finale aus deutscher Sicht war Boris Becker beteiligt: 1991 unterlag der Favorit dem Hamburger Michael Stich. Stich ist damit der zweiterfolgreichste deutsche Herrenspieler in London.

Derweil sorgte Angelique Kerber zuletzt für deutsche Wimbledon-Geschichte. 2018 besiegte sie im Finale Serena Williams – und gewann damit ihren dritten Grand-Slam-Titel der Karriere.

Ist da eine Ananas auf dem Wimbledon-Pokal?

Egal, ob Roger Federer, Boris Becker oder Novak Djokovic: sie alle strecken den prestigeträchtigen Wimbledon-Pokal in Richtung des Londoner Nachmittagshimmels. Doch genau auf diesem 47 Zentimeter hohen, goldfarbenen Henkelpott prangt etwas gar Ungewöhnliches: eine goldene Ananas. Warum das so ist, darüber rätseln die Experten – und stellen zwei Theorien auf.

So könnte die Geschichte der Ananas auf dem Wimbledon-Pokal, glauben vereinzelt Historiker, auf eine alte Marinetradition zurückgehen. Britische Schiffskapitäne platzierten nach ihrer Rückkehr aus der Karibik eine Ananas auf den Zaunpfosten ihres Hauses. Damit zeigten sie ihren Freunden und Nachbarn, dass sie heil zurückgekommen waren.

Eine wahrscheinlichere Theorie leiten die Experten jedoch aus dem 18. und 19. Jahrhundert ab. Damals war die Ananas ein Symbol des Reichtums. Die Ananas – ein unerschwinglicher Exot des Südens. Schnell entwickelte sich die Frucht zum Statussymbol der Oberschicht, die die Ananas ihren Gästen als Zeichen der Wertschätzung schenkten. An dieser Symbolik hat auch Christoph Kolumbus eine Mitschuld. Er brachte die Frucht 1493 von seiner zweiten Entdeckungstour mit nach Europa – und erklärte, dass die Menschen dort die Ananas als Willkommsgruß verschenkten.

Stadien, Tickets und Erdbeeren: Fakten über Wimbledon

Was auch immer der Grund für die Ananas auf dem Wimbledon-Pokal ist – der Anblick bleibt kurios, wenn der Sieger vom Herren-Einzel diesen auf dem Centre Court entgegennimmt. Gewöhnlich 15.000 Zuschauer fiebern am Finaltag von Wimbledon diesem Moment entgegen. 2021 wird das größte Stadion auf der Anlage des All England Lawn Tennis and Croquet Clubs vermutlich nicht ganz gefüllt sein.

Insgesamt 19 Tennisplätze für die Spiele und diverse weitere Trainingsplätze umfasst die Lodoner Tennisanlage. Lange Zeit sträubten sich die Veranstalter, den Hauptplatz mit einem Dach vor dem britischen Wetter zu schützen. Nach langjährigem Druck der Fernsehsender und Verbände stimmten die Traditionalisten dem Centre Court Cabrio zu. Damit ist der größte Platz auch der einzige mit Dach.

Mit 11.429 Zuschauerplätzen ist Court No. 1 die zweitgrößte Arena von Wimbledon. Für mehr Dramatik sorgte in der Vergangenheit aber der 4.000 Plätze große Court No. 2. Immer wieder strauchelten und patzten hier reihenweise Tennislegenden gegen vermeintlich unterlegenere Gegner. Graveyard of the Champions nennen die Londoner Fans den Platz deswegen heute.

Geschichtsträchtig ist seit 2010 auch Court No. 18. Vor 782 Zuschauern duellierten sich John Isner und Nicolas Mahut über drei Tage hinweg – bei einer reinen Spielzeit von elf Stunden und fünf Minuten. Es ist das längste Profi-Tennismatch der Geschichte.

Die Queue: Fans campen für Tickets

Doch einmal selbst solch ein Spiel in Wimbledon zu erleben, ist gar nicht selbstverständlich. Konnten die Zuschauer 1877 das damals noch recht unspektakuläre Rasenturnier für 25 Pennies bestauen, müssen die Tennis-Fans heute deutlich tiefer in die Tasche greifen. Wimbledon-Tickets gibt es heute meist nicht mehr für unter hundert Euro – wenn man sie denn überhaupt bekommt. Denn wer kein Prominenter oder Gast der Veranstalter ist, der braucht vor allem großes Glück oder ganz viel Zeit. Hat man kein Ticket über die Verlosung ergattert, hilft nur noch eins: warten. Teils tagelang campieren die Fans vor Turnierbeginn auf dem Bürgersteig an der Church Road. Denn dort geht es nicht nur auf die Anlage – sondern auch zum kleinen Kassenhäuschen, das Rest-Tickets verkauft.

Auch die Spielerinnen und Spieler bekommen immer wieder von dieser Schlange, der sogenannten Queue, mit. Auch sie ist es, die den Mythos Wimbledon aufrechterhält. Auf dem Rasen konzentrieren sich die Profis dann jedoch ganz aufs Spiel. Damit dabei alles glatt läuft, treffen die Veranstalter Vorkehrungen: Vor jeder Partie werden 66 Tennisbälle am Platz gelagert, nicht mehr und nicht weniger.

Bevor die Bälle ihren Weg auf den Platz finden, liegen sie in Boxen in einem Lagerraum in direkter Nachbarschaft zum Centre Court. 22 Grad Celsius herrschen dort – Tag und Nacht. Das sei ein Reglement des Internationalen Tennisverbands (ITF), erklärt der Ballmeister von London. Während des gesamten Wimbledon-Turniers verbrauchen die Spielerinnen und Spieler mehr als 57.000 Bälle.

Erdbeeren mit Sahne: Das Lieblingsessen der Fans

Von all diesen logistischen Meisterleistungen bekommen die Zuschauer auf der Anlage selbst nichts mit. Neben den Spielen sind für sie die berühmten Erdbeeren mit Sahne der Höhepunkt des Turniertages. Ordern sie an einem der Essensstände "strawberries with cream", dann bekommen sie für etwa drei Euro zehn Erdberren mit 60 Gramm Sahne. Jede Frucht wiegt zwischen 12 und 13 Gramm, streng reglementiert. Auch das ist Wimbledon, das die Fans so fasziniert. Am Ende eines Turniers haben die Zuschauer mehr als 28 Tonnen Erdbeeren und rund 7.000 Liter Sahne verspeist.

Geerntet werden die Wimbledon-Beeren in der Grafschaft Kent im Südosten Englands, rund eine Stunde Autofahrt von London entfernt. Auch 2020 waren die Erdbeeren schon gepflückt, als die Corona-Pandemie das prestigeträchtigste Tennisturnier des Jahres ausfallen ließ. Die vielen Tonnen Erdbeeren wurden daraufhin gespendet, unter anderem an den National Health Service.

Das erste Mal verkauften die Turnierorganisatoren übrigens 1893 Erdbeeren in Wimbledon. Kein Wunder, schließlich lieben die Briten die roten Beeren. So haben Wissenschaftler der Universität Nottingham herausgefunden, dass das perfekte Erdbeer-Sahne-Rezept der Engländer aus 200 Gramm Erdbeeren und 100 Milliliter Sahne besteht.

Die Choreographie der Balljungen von Wimbledon

Die Ballmädchen und Balljungen haben während des Turniers indes nur wenig Zeit, Erdbeeren mit Sahne zu essen. Um einmal Teil von Wimbledon zu sein, haben sich die Mädchen und Jungen im Alter von etwa 15 Jahren rund fünf Monate angestrengt. Rund 700 bis 800 Kinder bewerben sich jedes Jahr als Ballmädchen und Balljungen für Wimbledon. Am Ende wählen die Verantwortlichen etwas mehr als 250 Kinder aus – 90 von ihnen kommen aus dem Vorjahr, die restlichen Kinder sind neu dabei.

Was sie gemeinsam haben: Sie alle kommen von benachbarten Schulen im Londoner Südwesten. Dort sind Wimbledon und die Erlebnisse als Ballkinder täglich präsent. Doch nur Schülerin oder Schüler in der Nähe Wimbledons zu sein, reicht noch lange nicht aus. Fünf Monate lang durchlaufen sie einen strengen Auswahlprozess. In Gruppen von je 60 Kindern trainieren sie einmal in der Woche auf das große Ziel Wimbledon hin. Dabei beobachten die Verantwortlichen und Trainer die Mädchen und Jungen ganz genau.

"Ich habe in meinem ganzen Leben noch nichts so stressiges gemacht", sagte der ehemalige Balljunge Nick Yates der Zeit im Jahr 2017. "Die Schulprüfungen sind nichts dagegen." Das verwundert nicht. Denn auch Sarah Goldson, langjährige Verantwortliche der Ballmädchen und Balljungen in Wimbledon, gab zu: "Das Training ist rigoros. Wir setzen sie unter enormen Druck, denn wir können das echte Gefühl nicht simulieren, wenn sie vor tausenden Zuschauern bei den Championships sein werden." Die wichtigsten Kriterien seien ein hoher Fitnessgrad, eine schnelle Auffassungsgabe und eine bedingungslose Disziplin.

Jede Trainingseinheit beginnt mit einem Warm-Up und Ballroll-Übungen. Dann simulieren die Trainer ein Match – für zweieinhalb Stunden. Auch schriftliche Tests müssen die Mädchen und Jungen bestehen. In diesen müssen sie beantworten, wie sie sich in bestimmten Situationen zu verhalten haben, wo sie stehen sollten – oder wie die Einlaufformation aussieht.

Auch diese hat Tradition in Wimbledon. In dunkelblauer Uniform laufen die Ballmädchen und Balljungen mit Beginn ihrer Schicht wie an einer Schnur aufgespannt auf die Plätze. Seit 1920 hat sich daran nicht viel verändert. Seitdem gibt es Balljungen in Wimbledon. 1977 durften dann auch Mädchen dabei sein – auf dem Centre Court hatten sie ihren ersten Einsatz allerdings erst 1985. Heutzutage ist die Choreografie perfektioniert. "Die Ballkinder in Wimbledon gehören zu den besten der Welt", sagt Roger Feder. "Ihr Stil ist einzigartig."

Wimbledon im Fernsehen: Diese Sender übertragen Wimbledon

Wie konzentriert die Ballmädchen und Balljungen auf dem Tennisrasen von London stehen, sehen Fans besonders gut im Fernsehen – nämlich immer dann, wenn sie den Profis die Bälle im perfekt ausgestrecktem Arm zuwerfen oder ihnen das Handtuch in die Hand drücken. 2021 und noch mindestens bis 2022 überträgt der Pay-TV-Sender Sky die Wimbledon Championships. Fans benötigen dafür das Sport-Paket* oder das monatlich kündbare Sky-Sport-Ticket*.


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